Social Prototyping

The social side of prototyping

Archiv für Unternehmensgründung

Effectuation: Start with your means

Am Beispiel der schweizer Firma Freitag mit ihren berühmten Tragetaschen zeigt IMD Professor Stuart Read, wie Unternehmer mit dem Effectuation-Ansatz neue Geschäftsideen entwickeln können:

Mehr zum Thema:
Sarasvathy, S. D. (2001): Causation and effectuation: Toward a theoretical shift from economic inevitability to entrepreneurial contingency, The Academy of Management Review, 26 (2).

Buchempfehlung: ReWork

Jason Fried und David Heinemeier Hansson haben vor einiger Zeit ein wunderbares Buch über ihre eigenen Erfolgsweisheiten in der Geschäftswelt veröffentlicht: ReWork. Das Buch ist in einer sehr einfachen und verständlichen Sprache geschrieben und in viele kleine Unterkapitel aufgeteilt, die man trotz Hektik und Zeitdruck gut in der Mittagspause oder Abends auf dem Sofa verdauen kann.

Einige Kapitel lauten z.B.

  • Learning form mistakes is overrated
  • Why grow?
  • Mission statement impossible
  • Start a business, not a startup
  • Planning is guessing
  • Meetings are toxic
  • Build half a product, not a half-assed product
  • Press releases are spam
  • Inspiration is perishable

Liest man zwischen den Zeilen, ist dieses Buch eine wunderbare Steilvorlage, um den Sinn von Social Prototyping im Geschäftsleben zu verstehen. Lesen Sie dieses Buch. Sie werden Spaß haben dabei!

“If given a choice between investing in someone who has read Rework or has his MBA, I am investing in Rework…” – Mark Cuban.

Fried, J. / Heinemeier Hansson, D. (2010): Rework, New York: Crown Business.

- Bernhard Doll

Vom “Ziel” zum “Effekt”

In den letzten Jahren gab es immer wieder die Diskussion um die Sinnhaftigkeit von Zielen ([1], [2], [3], [4]). Dabei behaupten manche, dass das Verfolgen von Zielen in komplexen Welten irreführend und sogar gefährlich sein kann. Dabei fallen Stichwörter wie „causal reasoning“ und „effectual reasoning“ als zwei unterschiedliche Strategien, Ziele zu erreichen bzw. Effekte zu erzeugen. Was ist darunter zu verstehen?

Beim sog. „causal reasoning“ beginnt man mit konkreten Zielen und versucht anschließend alle notwendigen Mittel bereitzustellen, um die Ziele zu erreichen. Eine Denkweise, die uns allen wohl bekannt sein dürfte… Denn dies ist die Welt von Businessplänen, detaillierten Marktabschätzungen, ROI Berechnungen, Portfolio Management etc. Beim sog. “effectual reasoning“ dreht man den Spieß und überlegt sich zunächst, welche Mittel verfügbar und welche Ziele deshalb erreichbar sind. Da sich die verfügbaren Mittel über die Zeit verändern, sind auch Ziele ein „moving target“. Hier haben wir es mit der Welt des Bootstrapping, Social Prototyping, Guerilla Marketing etc. zu tun.

Sie kennen beide Strategien bestimmt aus Ihrem Alltag. Beispiel „Küche“: Für manche von uns beginnt jedes Kochvergnügen mit einem Blick in ein Kochbuch und der Überlegung, was eigentlich gekocht werden soll. Danach werden die Zutaten besorgt und das gewählte Rezept Schritt für Schritt nachgekocht („causal reasoning”). Andere Kochstrategen werfen zunächst nicht einen Blick in ein Kochbuch, sondern in den Kühlschrank. Und zwar um zu sehen, welche Zutaten überhaupt verfügbar sind, um schnell ein leckeres Gericht zu zaubern. Erst danach wird entschieden, was gekocht werden soll („effectual reasoning“).

Trotz der unterschiedlichen Gewichtung für Ziele sind beide Strategien nicht ziellos: Im ersten Fall ist das Ziel sehr konkret und eindimensional definiert: „Ich koche das Gericht XYZ!“. Im zweiten Fall gibt es ebenfalls ein klares Ziel – wenn auch auf einer anderen Logikebene: „Ich koche etwas Leckeres!“ Die Zielformulierung stützt sich hier auf den gewünschten Effekt und die Frage, wie dieser mit den verfügbaren Mitteln erreicht werden kann. Das Ziel ist im zweiten Fall also nicht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern einen bestimmten Effekt zu erzeugen. Eine Denk- und Arbeitsweise, die gerade unter erfolgreichen Gründern und Unternehmern sehr beliebt ist!

Klingt wie ein guter Plan? Dann viel Erfolg bei der Umsetzung…

- Bernhard Doll

Quelle: Sarasvathy, S. (2001): Causation and effectuation: Toward a theoretical shift from economic inevitability to entrepreneurial contingency, Academy of Management Review, 26 (2), S. 243-263.

Visionen “down to earth”

Kein vernünftiger Unternehmer würde heutzutage öffentlich bekennen, keine Vision zu haben. Doch in vielen Unternehmen fällt es Mitarbeitern schwer, ihren Handlungskontext mit einer gefassten Vision in Einklang zu bekommen bzw. sich davon leiten zu lassen. Doch wie weiß man als Vorgesetzter, ob Mitarbeiter mit einer formulierten Vision in ihrem Arbeitsalltag etwas anfangen können?

Ein ganz einfacher Test dazu ist der Folgende: Sie treffen sich mit ihrem Mitarbeiter und werfen einen Blick in das Postfach seines E-Mailprogramms. Dann versuchen sie mit ihm zusammen, die letzten 50 eingegangenen Nachrichten nach einem einfachen Schema (z.B. GTD, Eisenhower-Matrix, gerne visuell auf Flipchartpapier) zu priorisieren. Jeder Sortiervorgang soll dabei von dem Mitarbeiter mit einem Satz begründet werden, der in Bezug mit der Vision (oder Strategie) gebracht werden kann: “Der Inhalt dieser Nachricht ist besonders wichtig und dringlich, weil…”. Sollten diese Begründungen nur schwer zu finden sein, muss dringend an der Vision gefeilt werden.

Dieses Vorgehen hat sich z.B. im Kontext von Unternehmensgründern schon oft bewährt, eine gesteckte Vision für Mitarbeiter greifbar zu machen, sie mit Ihrem Arbeitsalltag zu koppeln und somit Ressourcen effizient einzusetzen. Für einen Gründungserfolg bestimmt keine unwichtigen oder weniger dringlichen Themen…

- Bernhard Doll

Gründungsförderung: Förderlich für Gründer?

Die Landschaft der Gründungsförderung ist in Deutschland so aktiv wie kaum in einem anderen Land. Und das, obwohl (oder gerade weil) die Gründungsraten von Jahr zu Jahr leicht sinken. Die meisten mir bekannten Einrichtungen bieten Gründern in unterschiedlich verpackten Angeboten viele Ressourcen, die Gründer brauchen: Büroräume, Wissen/Erfahrung, Netzwerk und (selten) Geld. Die Reihenfolge spiegelt die Häufigkeit der Angebote in der Praxis wider. Doch was ist von diesen zahlreichen Angeboten aus Gründersicht zu halten?

Als Gründer sollte man sich schlicht überlegen, was die kritischen Ressourcen sind, die man durch Gründungsförderung leichter bekommen kann. Sind es z.B. Büroräume? Wohl kaum. Selbst in München stehen hektarweise Büroflächen leer – auch in zentraler Lage. Und das Argument, dass sich Mieter in einem Gründerzentrum untereinander intensiv austauschen und vernetzen, habe ich noch selten gesehen (schade eigentlich, das wäre ja der große Vorteil). Nachteil dabei ist auch noch, dass man als Mieter in einem Gründerzentrum seinen Besuchern die Botschaft vermittelt: Hallo, ich bin Gründer, habe nicht viel Geld, brauche dringend den Auftrag, hoffe, es gibt mich morgen auch noch… Und das ist mit Sicherheit nicht förderlich für das Geschäft!

Viele Gründungsförderer geben aber nicht nur Räume, sondern beschäftigen auch Experten, die mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung Gründern aktiv im Gründungsprozess helfen können. Gerade in Deutschland ist diese Art der Förderung sehr häufig zu finden. Was ist davon zu halten? Eine pauschale Antwort kann es hier natürlich nicht geben. Gerade für ganz junge Gründer sind diese Angebote aber oftmals Gold wert. Warum Fehler machen, die andere schon gemacht haben? Es kommt hier nur darauf an, welches Wissen wie vermittelt wird. Oftmals versuchen Gründercoaches ihre persönlichen “best practices” an den Mann und die Frau zu bringen. Das mag manchmal für den Zuhörer interessant sein, aber ist nicht immer hilfreich. Denn jede Gründung verläuft anders und ist natürlich stark von den Gründern geprägt. Was für den einen in der Vergangenheit funktioniert hat, muss für den anderen in der Zukunft noch lange nicht funktionieren. Sinnvoller wäre es daher, Gründern den Umgang mit Komplexität und Unsicherheiten zu lehren, und wie es sich “anfühlt”, Gründer zu sein. Den Rest lernt man im Alltag!

Darüber hinaus gibt es einen weiteren potenziellen Nachteil, wenn man zu Beginn des Gründungsprozesses zu viel weiß. Erlauben Sie mir dazu eine kleine Analogie: Stellen sie sich vor, ein Paar spielt mit dem Gedanken, vielleicht bald Nachwuchs auf die Welt zu setzen. Ganz sicher sind sie aber noch nicht. Deshalb liest das Paar schon seit Monaten Ratgeberhefte, bespricht mit Eltern oder Freunden, wie es mit einem Kind ist, wie sich der Alltag verändert, was alles schief gehen kann, worauf man achten sollte, wann der „richtige“ Zeitpunkt ist, usw. Meinen sie, ob diese Art der Vorbereitung den Wunsch des Paares für Nachwuchs stärkt oder schwächt? Es besteht einfach die Gefahr, dass man am Anfang zu viel weiß und dann den wichtigen Schritt nicht mehr geht. Der französische Philologe und Jurist Jean Duché wusste schon vor einiger Zeit, dass „ein Mangel an Erfahrung veranlasst die Jugend zu Leistungen, die ein erfahrener Mensch niemals vollbringen würde“.

Studien in Kanada haben dabei gezeigt, dass klassische Wissensvermittlung in der Gründungsförderung natürlich den Teilnehmern „Wissen vermittelt“, aber dadurch die Zahl der Gründungen verringert. Die Demut vieler Teilnehmer vor der Komplexität des Gründungsprozesses war am Ende einfach zu groß! Das muss aber nicht zwangsweise schlecht sein. Schließlich muss nicht jede Person, die ein Gründungsseminar besucht hat, gleich ein eigenes Unternehmen gründen. Nur sollte man sich dafür hüten zu glauben, dass diese Demut gerade die entwickeln, die eh nicht das Zeug zu einem erfolgreichen Gründer hätten. Die üppige “Bugwelle” haben oftmals andere.

Die aus meiner Sicht wertvollste Ressource bei vielen Gründungsförderern ist das Netzwerk: Vielfach sind solche Einrichtungen in große Förderungsinitiativen eingebettet, die Bund oder Länder betreiben und demnach über ein groß angelegtes Netzwerk in die Wirtschaft, Forschung und Politik verfügen. Das kann für Gründer einen richtigen Wettbewerbsvorteil ausmachen, schnell einen ersten möglichen Kunden zu kennen, Kontakt zu Forschung aufzubauen oder sich politisch in wichtigen Kreisen zu positionieren. Habe das vielfach erlebt, wie Gründerzentren hier so manchen Gründer einen richtigen Turbo verpasst haben. Leider vermarkten viele Einrichtungen ihr Netzwerk nicht als Angebot, weil von den Betreibern nicht verstanden wird, das dies eine so wesentliche Ressource für Gründer ist.

Aber ich denke, dass die Zeit zeigen wird, dass Gründungsförderung dann am besten funktioniert, wenn man interessante Menschen nicht nur schlauer macht und sie zur Gründung “trägt”, sondern ihnen Gelegenheit gibt, sich selbst und ihre Geschäftsidee zu reflektieren, sich zu vernetzen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Das ist dann wie ein kleines Ökosystem nach den Regeln der Evolution und die Art der Gründungsförderung, die in vielen Teilen der USA (z.B. Silicon Valley) seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert wird. Einige Gründerzentren setzen auch schon verstärkt auf diese Art der Förderung, was der deutschen Gründerszene nur gut tun wird.

- Bernhard Doll

Gründungsförderung nach dem learning-by-doing Prinzip

Kürzlich ist ein Buch mit dem Titel “Risikobewertung und Finanzierung von technologieorientierten Gründerinnen und Gründern” im Josef Eul Verlag erschienen. In diesem Buch ist ein Artikel von Bernhard Doll abgedruckt, der sich damit beschäftigt, wie Gründungsförderung durch das learning-by-doing-Prinzip effektiv umgesetzt werden kann. Dabei zeigt der Artikel, wie man mittels Prototyping Geschäftsideen und Gründerteams trotz Unsicherheiten besser bewerten kann.

Doll, B. (2009): Gründungsförderung nach dem learning-by-doing-Prinzip, in: Dautzenberg, K. / Reger, G. (Hrsg.): Risikobewertung und Finanzierung von technologieorientierten Gründerinnen und Gründern, 1. Auflage, Josef Eul Verlag: Köln.

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