Social Prototyping
The social side of prototypingArchiv für Teamarbeit
Figural Serious Play
In einer empirischen Arbeit, die im Rahmen des letztjährigen Praxisseminars “Innovationsdesign” an der Universität Erlangen-Nürnberg entstanden ist, zeigt Nicole Schleicher auf eindrucksvolle Weise, wie haptische Modelle und Prototypen Einzel- und Gruppenarbeit bei Innovationsprojekten unterstützten können. Interessant ist dabei, dass sie diese Erkenntnisse auf therapeutische Ansätze im aufstrebenden Feld der Gestalttherapie überträgt und auf ihre Anwendbarkeit überprüft. Sie nennt die Verwendung von Modellen und Prototypen in diesem Kontext “Figural Serious Play”.
Bei Interesse an dieser Arbeit stelle ich gerne den Kontakt zur Autorin her…
Echte Teamarbeit kann gefährlich sein!
Seit mehr als 20 Jahren predigt die Forschung, dass für die Entwicklung von Innovationen „echte“ Teamarbeit ein Schlüssel zum Erfolg ist. Die Praxis sieht leider anders aus: In vielen Unternehmen arbeiten keine Teams, sondern Gruppen, die schlicht für die Organisation von Spezialisierung und Arbeitsteilung in Unternehmen installiert werden und rein auf Effizienz getrimmt sind. Echte Teams verfügen jedoch, über eine eigene Identität, eine eigene Arbeitskultur und eigene Teamziele mit geteilter Verantwortlichkeit für kollektive Arbeitsergebnisse. Katzenbach/Smith (1993) formulieren dies so: „A team is a small number of people with complementary skills who are committed to a common purpose, set of performance goals, and approach for which they hold themselves mutually accountable.“ Ein Team ist also ein Konstrukt, welches (mehr oder weniger) „alles“ hat, was eine selbstständige Organisation braucht. Es ist also in einem betrieblichen Kontext eine Organisation in der Organisation.
Doch warum sollte ein etabliertes Unternehmen Teams als eine quasi selbstständige Organisation in sich selbst zulassen? Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin ein großer Verfechter von Teams und Teamarbeit und forsche und lehre selbst auf diesem Gebiet. Doch es gibt auch Schattenseiten der Teamarbeit, die nur selten diskutiert werden: Z.B. gerade wenn in Unternehmen eine Gruppe von Menschen sich zu einem echten Team entwickelt, besteht die Gefahr, dass das Team nicht mehr durch hierarchische Autorität kontrollierbar ist. Das Team geht seinen eigenen Weg und baut sich seine eigene Vision auf, die oftmals mit der des Unternehmens, für das die Teammitglieder eigentlich arbeiten, in Konkurrenz steht. Und es ist oft nicht schwer, als kleines Team eine Vision zu bauen, die für die Teammitglieder (auf den ersten Blick) faszinierend klingt.
Doch es widerspricht dem Mechanismus zur evolutionären Selbsterhaltung eines Unternehmens, dass es wirklich selbstständige Organisationen in der Organisation zulässt. Gegen diesen Mechanismus zu arbeiten – der übrigens nicht mit der formulierten Mission, Vision oder Strategie eines Unternehmens zu verwechseln ist – ist ein Kampf, den es sich als Mitarbeiter nur selten zu kämpfen lohnt. Wenn es dann dennoch funktioniert, ist das Unternehmen oft in Gefahr: Als ich persönlich als Mitarbeiter in einem Unternehmen zuletzt echte Teamarbeit erlebt habe, haben wir am Ende eines Projekts geschlossen das Unternehmen verlassen, um eine eigene Firma zu gründen. Mit Erfolg! Die Zusammenarbeit hat „ja so gut funktioniert“. Aber das kann nicht das Ziel eines Unternehmens sein, gute Zusammenarbeit zu fördern, um dann gleich einen ganzen Schwung an Mitarbeiten zeitgleich zu verlieren.
Für Unternehmen ist es deshalb sinnvoll, Teamarbeit für die Entwicklung von Innovationen zwar zu fördern, aber auf kontrollierte Art und Weise. Führungsmitarbeiter außerhalb eines Teams müssen die sozialen Dynamiken verstehen, die innerhalb von Teams passieren und hinterfragen, ob diese dem eigentlichen Unternehmenszweck dienen. Dazu müssen die Führungsmitarbeiter Teams nicht nur „laufen lassen“, sondern intensiv mit allen Teammitgliedern kommunizieren, um die soziale Einbettung des Teams in das Unternehmen zu stärken. Nur so können die Vorzüge eigenständiger Teams genutzt, aber auch die Integration von Teams in das Unternehmen gestärkt werden.
- Bernhard Doll
"Model your team"
Die Gründung von wachstumsorientierten Unternehmen ist Teamsport. Doch es fehlt immer noch an Methoden, leistungsfähige Gründerteams zu entwickeln. Erste wissenschaftliche und praktische Erkenntnisse liefern dabei einen interessanten Anknüpfungspunkt, wie durch Prototyping als iterativer Entwicklungs- und Lernprozess, soziale Interaktionsprozesse bei Teams allgemein beeinflusst werden können. In einer qualitativen Studie im universitären Umfeld habe ich daher untersucht, welchen Einfluss Prototyping auf die Qualität sozialer Interaktionsprozesse (z.B. Kommunikation, Koordination, Kohäsion) auch im speziellen Kontext von Gründerteams hat. Die Ergebnisse liefern einen neuen Einblick in die soziale Dynamik von derartigen Teams, die nicht nur innovative Produkte und Dienstleistungen, sondern mit eigenem Risiko ein ganzes Unternehmen als neue Organisation aufbauen wollen.
Die gesamte Studie wird im Oktober als Buch im Gabler Verlag veröffentlicht.



