Social Prototyping
The social side of prototypingArchiv für Learning by doing
Effectuation: Start with your means
Am Beispiel der schweizer Firma Freitag mit ihren berühmten Tragetaschen zeigt IMD Professor Stuart Read, wie Unternehmer mit dem Effectuation-Ansatz neue Geschäftsideen entwickeln können:
Mehr zum Thema:
Sarasvathy, S. D. (2001): Causation and effectuation: Toward a theoretical shift from economic inevitability to entrepreneurial contingency, The Academy of Management Review, 26 (2).
Prototyping als planbarer Prozess
Dass Prototyping eine sehr effiziente Vorgehensweise sein kann, um in einem Umfeld von Komplexität und Unsicherheiten neue Produkte, Services oder Geschäftsmodelle zu entwickeln, ist in vielen Geschäftsbereichen kein Geheimnis mehr. Dennoch kann ich manchmal beobachten, dass Form und Funktion von Prototypen nicht immer bewusst geplant und umgesetzt werden, sondern per Zufall entstehen. Ständiges Ausprobieren und Lernen sollten aber nicht mit planlosem Vorgehen verwechselt werden. Vielmehr bedarf jeder einzelne Entwicklungszyklus beim Prototyping ein sehr behutsames Planen und Vorausschauen, um möglichst effizient bestehende Entwicklungsfehler zu reduzieren oder Neues zu lernen. In einem früheren Artikel habe ich ein sog. “Prototyping-Framework” vorgestellt, welches geübten wie weniger geübten Innovatoren helfen soll, Modelle und Prototypen im Vorfeld eines Entwicklungszyklus zu beschreiben. Ich möchte an dieser Stelle ein Update dieses Frameworks vorstellen:
Kern dieses Frameworks ist es, jegliche Arten von Modellen und Prototypen (= visuelle Abbildungen) nach sechs Dimensionen zu charakterisieren. Das Framework soll bei der Planung eines Entwicklungszyklus helfen, Prototypen so zu entwickeln, dass ein bestimmter Zweck unter Beteiligung bestimmter Akteure (= Menschen) und einem definierten Kontext erfüllt werden kann. Die sechs Dimensionen sollen dabei Antwort auf die folgenden Fragen geben:
- Umfang: Wie viele Aspekte des Originals (= Idee, Konzept) sollen in einem Prototyp abgebildet werden?
- Auflösung: Wie detailliert sollen diese Aspekt in einem Prototyp abgebildet werden?
- Bedeutung: Haben die abgebildeten Aspekte eine realitätsnahe oder metaphorische Bedeutung?
- Änderbarkeit: Wie flexibel ist der Prototyp gebaut, dass er auch schnell in einer Teamsituation wieder veränderbar ist?
- Materialität: Wird der Prototyp heute mit “Material” gebaut, das dem späteren “Material” ähnelt?
- Lebensdauer: Wie lange soll der Prototyp in Benutzung sein?
Abhängig von den Antworten auf diese Fragen kann z.B. ein innovatives Servicekonzept auf ganz unterschiedliche Weisen als Modell oder Prototyp abgebildet werden. In der Praxis passieren diese Überlegungen bei vielen Innovationsexperten oft implizit und intuitiv. Für weniger geübte Innovatoren und Prototyper ist es jedoch eine Grundvoraussetzung, sich dessen bewusst zu machen, um die vielen Vorteile von Prototyping im Innovationsmanagement tatsächlich ausnützen zu können.
- Bernhard Doll
Iterativ oder sequentiell?
In den letzten Monaten bin ich bei Diskussion mit unterschiedlichen Innovations- und Gründerteams immer wieder auf die Frage gestoßen, ob der Prozess einer Innovationsentwicklung denn nun besser iterativ, also in einer wiederholenden Wiederkehr definierter Prozessschritte (Planen – Umsetzen – Planen – Umsetzen), oder mit einer sequentiellen Entwicklungsweise (Planen – Planen – Umsetzen – Umsetzen), wie es vielfach in der Industrie propagiert wird, angebrachter sei. Diese Frage ist natürlich nicht generisch zu beantworten und hängt von der Aufgabenstellung ab. Viele kluge Menschen haben hier ganz unterschiedliche Perspektiven und stellen mal iterative und mal sequentielle Entwicklungsprozesse als das Allheilmittel zur Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen dar. Manchmal verliert man hier den Überblick was nun gut und schlecht ist.
Eine übliche Auffassung ist dabei, dass die Strukturierung des Innovationsprozesses stark davon abhängt, wie komplex die Aufgabenstellung ist und mit wie vielen Unsicherheiten man sich konfrontiert fühlt. Je höher Komplexität und Unsicherheiten, desto eher sollte man in einem evolutionären Lernprozess (also iterativ) unterschiedliche Lösungen ausprobieren und reflektieren, was funktioniert – und was nicht. Jedoch stelle ich auch immer wieder fest, dass in solchen Diskussionen unterschiedliche Ebene vermischt werden, von denen aus Entwicklungsprozesse betrachtet werden können:
1. Makroebene: Diese Ebene beschreibt den Entwicklungsprozess eines ganzen Unternehmens, das sich auf einem Markt durch sein Leistungsangebot bewähren muss. Die Entwicklungsdynamik des Marktes agiert immer nach einem iterativen Prinzip, in dem es Unternehmen, die sich nicht ausreichend an Marktbedingungen angepasst haben, schrittweise ausfiltert. Darwin lässt hier freundlich grüßen!
2. Mesoebene: Auf dieser Ebene beschreiben Entwicklungsprozesse oft eine generelle Vorgehensweise, wie innerhalb eines Unternehmens innovative Entwicklungsprozesse strukturiert werden. Einer der für mich eingänglichsten Innovationsprozesse auf dieser Ebene stammt von Prof. John Bessant, der Innovationsprozesse schlicht mit den sequentiellen Phasen „Search – Select – Implement“ beschreibt.
3. Mikroebene: Beleuchtet man jedoch in einer bestimmten Phase des Enwicklungsprozesses aus der Mesoebene mögliche Aktivitäten, ist man gut beraten bestimmte Aufgabenstellungen mit hoher Komplexität und Unsicherheit durch einen iterativen Entwicklungs- und Lernprozess (z.B. Prototyping) zu lösen, um die Realität komplexer Systeme zu berücksichtigen und nicht durch übersimplifizierende Annahmen zu verfälschen.
Bei Diskussionen über Innovations- und Entwicklungsprozesse sollte man sich also klar werden, über welche Ebene man spricht, bevor man sich in Grundsatzdiskussionen und Grabenkämpfen zwischen einer eher „traditionellen“ und „agilen“ Sichtweise begibt. Viele Meinungsverschiedenheiten können in dieser Sache schon allein durch diese simple Unterscheidung in drei Ebenen leicht ausgeräumt werden.
Vorlesung "Opportunity development" / TU München
Auf mehrfachen Wunsch stelle ich gerne meine Folien zu einer Vorlesung, die ich im SS 2009 an der TU München zum Thema "Opportunity development" gehalten habe, online. Die Folien können hier geladen werden.
Gründungsförderung nach dem learning-by-doing Prinzip
Kürzlich ist ein Buch mit dem Titel “Risikobewertung und Finanzierung von technologieorientierten Gründerinnen und Gründern” im Josef Eul Verlag erschienen. In diesem Buch ist ein Artikel von Bernhard Doll abgedruckt, der sich damit beschäftigt, wie Gründungsförderung durch das learning-by-doing-Prinzip effektiv umgesetzt werden kann. Dabei zeigt der Artikel, wie man mittels Prototyping Geschäftsideen und Gründerteams trotz Unsicherheiten besser bewerten kann.
Doll, B. (2009): Gründungsförderung nach dem learning-by-doing-Prinzip, in: Dautzenberg, K. / Reger, G. (Hrsg.): Risikobewertung und Finanzierung von technologieorientierten Gründerinnen und Gründern, 1. Auflage, Josef Eul Verlag: Köln.


