Iterativ oder sequentiell?

In den letzten Monaten bin ich bei Diskussion mit unterschiedlichen Innovations- und Gründerteams immer wieder auf die Frage gestoßen, ob der Prozess einer Innovationsentwicklung denn nun besser iterativ, also in einer wiederholenden Wiederkehr definierter Prozessschritte (Planen – Umsetzen – Planen – Umsetzen), oder mit einer sequentiellen Entwicklungsweise (Planen – Planen – Umsetzen – Umsetzen), wie es vielfach in der Industrie propagiert wird, angebrachter sei. Diese Frage ist natürlich nicht generisch zu beantworten und hängt von der Aufgabenstellung ab. Viele kluge Menschen haben hier ganz unterschiedliche Perspektiven und stellen mal iterative und mal sequentielle Entwicklungsprozesse als das Allheilmittel zur Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen dar. Manchmal verliert man hier den Überblick was nun gut und schlecht ist.

Eine übliche Auffassung ist dabei, dass die Strukturierung des Innovationsprozesses stark davon abhängt, wie komplex die Aufgabenstellung ist und mit wie vielen Unsicherheiten man sich konfrontiert fühlt. Je höher Komplexität und Unsicherheiten, desto eher sollte man in einem evolutionären Lernprozess (also iterativ) unterschiedliche Lösungen ausprobieren und reflektieren, was funktioniert – und was nicht. Jedoch stelle ich auch immer wieder fest, dass in solchen Diskussionen unterschiedliche Ebene vermischt werden, von denen aus Entwicklungsprozesse betrachtet werden können:

1. Makroebene: Diese Ebene beschreibt den Entwicklungsprozess eines ganzen Unternehmens, das sich auf einem Markt durch sein Leistungsangebot bewähren muss. Die Entwicklungsdynamik des Marktes agiert immer nach einem iterativen Prinzip, in dem es Unternehmen, die sich nicht ausreichend an Marktbedingungen angepasst haben, schrittweise ausfiltert. Darwin lässt hier freundlich grüßen!

2. Mesoebene: Auf dieser Ebene beschreiben Entwicklungsprozesse oft eine generelle Vorgehensweise, wie innerhalb eines Unternehmens innovative Entwicklungsprozesse strukturiert werden. Einer der für mich eingänglichsten Innovationsprozesse auf dieser Ebene stammt von Prof. John Bessant, der Innovationsprozesse schlicht mit den sequentiellen Phasen „Search – Select – Implement“ beschreibt.

3. Mikroebene: Beleuchtet man jedoch in einer bestimmten Phase des Enwicklungsprozesses aus der Mesoebene mögliche Aktivitäten, ist man gut beraten bestimmte Aufgabenstellungen mit hoher Komplexität und Unsicherheit durch einen iterativen Entwicklungs- und Lernprozess (z.B. Prototyping) zu lösen, um die Realität komplexer Systeme zu berücksichtigen und nicht durch übersimplifizierende Annahmen zu verfälschen.

Bei Diskussionen über Innovations- und Entwicklungsprozesse sollte man sich also klar werden, über welche Ebene man spricht, bevor man sich in Grundsatzdiskussionen und Grabenkämpfen zwischen einer eher „traditionellen“ und „agilen“ Sichtweise begibt. Viele Meinungsverschiedenheiten können in dieser Sache schon allein durch diese simple Unterscheidung in drei Ebenen leicht ausgeräumt werden.

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